Familie spielt gemeinsam ein Memospiel am Wohnzimmertisch.

Wer hat’s erfunden? Die spannende Geschichte des Memospiels

Zwei Karten aufdecken, passende Paare finden – das Prinzip kennt jeder. Aber woher kommt es eigentlich? Die Antwort führt ins Japan des 16. Jahrhunderts, zu kunstvoll bemalten Muschelschalen, und schließlich in die Schweiz der 1950er Jahre, wo aus einer simplen Idee ein weltweiter Spieleklassiker wurde. Eine Reise durch Jahrhunderte menschlicher Spielfreude.

 

Fast jeder kennt das Spielprinzip: Karten werden verdeckt ausgelegt, zwei Karten aufgedeckt und passende Bildpaare gesucht. Einfach erklärt, schnell gelernt und seit Generationen beliebt. Doch wer hat das Memospiel eigentlich erfunden? Die Antwort führt uns nicht nur in die Schweiz der 1950er Jahre, sondern auch viele Jahrhunderte zurück ins alte Japan.

Die Wurzeln reichen bis ins alte Japan

Die Idee, passende Paare zu finden, ist deutlich älter als viele vermuten. Bereits im Japan des 16. Jahrhunderts war ein Spiel namens Kai-awase beliebt, was übersetzt etwa „Muscheln zusammenfügen“ bedeutet.

Gespielt wurde mit den beiden Hälften von echten Muschelschalen. Da jede Muschel in der Natur einzigartig ist, passte sie nur zu ihrer ursprünglichen Gegenhälfte. Die Aufgabe bestand darin, diese zusammengehörenden Paare wiederzufinden. Mit der Zeit wurden die Innenseiten der Muscheln kunstvoll mit Miniaturen bemalt und entwickelten sich zu begehrten Sammlerobjekten des japanischen Adels.

Auch wenn Kai-awase anders gespielt wurde als heutige Paarsuchspiele, steckt darin bereits der geniale Kern: passende Paare finden und sich deren Position merken.

Bemalte Muschelschalen des japanischen Kai-awase-Spiels, einem historischen Vorläufer moderner Memospiele.

Vom Muschelspiel zum weltweiten Klassiker

In den folgenden Jahrhunderten entstanden weltweit immer wieder Spiele, bei denen Bilder, Symbole oder Gegenstände einander zugeordnet werden mussten. Die menschliche Freude am Wiedererkennen scheint einfach zeitlos zu sein. Doch erst im 20. Jahrhundert entwickelte sich daraus das exakte Spielprinzip, das wir heute so lieben.

Ende der 1950er Jahre entwickelte der Schweizer Spieleautor William Hurter gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Heinrich, einem Grafiker, ein neues Kartenspiel mit quadratischen Kärtchen und identischen Motiven. Der Ravensburger Verlag erkannte das Potenzial und brachte das Spiel 1959 unter dem geschützten Markennamen Memory® auf den Markt. Das Spiel wurde zum Welthit – und der Markenname so bekannt, dass er im Sprachgebrauch oft als Bezeichnung für die ganze Gattung der Memospiele verwendet wird.

Warum das Spielprinzip uns bis heute fesselt

Der Erfolg dieser Spiele lässt sich leicht erklären, denn die Regeln sind genial einfach:

  • Zwei Karten aufdecken.
  • Passendes Paar finden (oder sich die Position merken).
  • Die meisten Paare sammeln.

Gleichzeitig fordert das Spiel Konzentration, Aufmerksamkeit und das visuelle Gedächtnis heraus. Das Faszinierende: Kinder können bereits nach wenigen Minuten mitspielen und schlagen Erwachsene dank ihres phänomenalen Bildgedächtnisses oft mühelos. 


Memospiele fördern gemeinsames Spielen über Generationen hinweg.

Eine zeitlose Idee jenseits von Trends

Vom japanischen Muschelspiel Kai-awase bis zum modernen Legespiel, das durch Marken wie Memory® weltberühmt wurde, zeigt sich: Die menschliche Freude am Wiedererkennen ist zeitlos. In einer zunehmend digitalen Welt bieten diese quadratischen Kärtchen genau das, wonach wir uns oft sehnen: eine gemeinsame, analoge Auszeit am Küchentisch. Manche Spielideen sind eben so einfach und zugleich so gut, dass sie jede Trendwelle überdauern.

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