Fünf Kandidaten, fünf ganz unterschiedliche Lebensräume – und Deutschland darf wieder abstimmen. Kolkrabe, Kranich, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Wasseramsel stehen zur Wahl zum Vogel des Jahres 2027.
Noch bis zum 15. Oktober 2026 um 11 Uhr kannst du online unter vogeldesjahres.de abstimmen. Den Titel „Vogel des Jahres" vergeben NABU und sein bayerischer Partner LBV bereits seit 1971. Seit 2021 entscheidet darüber nicht mehr eine Jury, sondern die Öffentlichkeit.

Der Kranich – „Allzeit nasse Füße!"
Mit seinen langen Beinen, den trompetenartigen Rufen und den großen Keilformationen am Himmel gehört der Kranich zu den eindrucksvollsten Kandidaten der diesjährigen Wahl. In vielen Ländern gilt er als Symbol für Glück, Liebe und Frieden. Besonders spektakulär sind seine Balztänze im Frühjahr, bei denen die großen Vögel springen, die Flügel ausbreiten und sich einander gegenüberstehen.
Zum Rasten und Brüten braucht der Kranich feuchte Lebensräume wie Moore, Sümpfe, Seen und Flussauen. Sein Wahlkampfslogan bringt es auf den Punkt: Er wirbt für den Erhalt dieser wertvollen Feuchtgebiete. Übrigens trug der Kranich den Titel schon einmal, 1978.
Der Kolkrabe – „Schwarze Federn, helles Köpfchen!"
Mit bis zu 67 Zentimetern Körperlänge ist der Kolkrabe nicht nur der größte heimische Rabenvogel, sondern auch der größte Singvogel Europas. Er gilt als ausgesprochen intelligent, sozial und lernfähig. Trotzdem haftet Rabenvögeln bis heute oft ein negatives Image an. Weil sie sich gut an vom Menschen geprägte Landschaften anpassen und unterschiedlichste Nahrungsquellen nutzen, werden sie mitunter als Störenfriede oder Konkurrenten wahrgenommen. Noch immer werden Kolkraben abgeschossen oder vergiftet.
Der Kolkrabe wirbt deshalb für mehr Toleranz gegenüber Wildtieren und für ein möglichst konfliktarmes Zusammenleben von Mensch und Natur.
Die Mehlschwalbe – „Auf gute Nachbarschaft!"
Die Mehlschwalbe lebt seit Jahrhunderten in unmittelbarer Nähe des Menschen. Ihre halbkugelförmigen Nester baut sie aus Lehm und klebt sie bevorzugt außen an Gebäude, geschützt unter Dachvorsprüngen.
Doch geeignete Nistplätze werden knapper. Moderne Fassaden bieten kaum Halt, bei Sanierungen verschwinden Nischen oder die Nester werden entfernt, und auf versiegelten Flächen findet die Mehlschwalbe immer seltener feuchten Lehm für den Nestbau. Als Insektenjägerin leidet sie zudem unter dem Rückgang der Insekten. Die Mehlschwalbe gilt heute als gefährdet und steht bei dieser Wahl für mehr Lebensraum für Tiere in unseren Städten und Dörfern. Den Titel hatte sie übrigens schon 1974.
Der Trauerschnäpper – „Mach Tempo fürs Klima!"
Anders als sein Name vermuten lässt, ist der knapp spatzengroße Trauerschnäpper ein munterer Luftakrobat, der seine Beute oft im Flug fängt. Den Winter verbringt er südlich der Sahara und kehrt im Frühjahr zum Brüten zu uns zurück. Als Langstreckenzieher muss er dabei den richtigen Zeitpunkt erwischen.
Durch die Klimakrise beginnt der Frühling bei uns inzwischen früher. Kehrt der Trauerschnäpper zurück, sind geeignete Baumhöhlen und Nistkästen oft schon von anderen Vogelarten besetzt, und die Hochphase der Insekten, mit denen er seine Jungen füttert, ist teilweise schon vorbei. Der gefährdete Vogel lenkt so den Blick auf die Folgen des Klimawandels für Zugvögel.
Unser Favorit: die Wasseramsel

Unser persönlicher Favorit bei der diesjährigen Wahl ist die Wasseramsel, und das aus zwei Gründen: wegen ihrer ungewöhnlichen Lebensweise und wegen ihrer besonderen Verbindung zur Heimat von Starnberger Spiele.
Die Wasseramsel ist die einzige Singvogelart Europas, die schwimmen und tauchen kann. Sie kann sogar am Grund von Bächen unter Wasser laufen. Sie lebt an sauberen, sauerstoffreichen Fließgewässern mit steinigem oder sandigem Untergrund und sucht einen großen Teil ihrer Nahrung direkt im Wasser. Ihr dichtes Gefieder schützt sie vor Nässe und Kälte, und auch ihre Augen sind an das Sehen unter Wasser angepasst.
Meist stehen Insektenlarven und andere kleine Wassertiere auf ihrem Speiseplan – wie auf unserem Foto. Gelegentlich erbeutet die Wasseramsel aber auch kleine Fische.
Zu Hause rund um den Starnberger See
Besonders schön finden wir, dass die Wasseramsel auch in unserer Region rund um den Starnberger See zu Hause ist.
Seit 2017 wurden die Wasseramseln im nördlichen Landkreis Starnberg über mehrere Jahre hinweg intensiv untersucht. Der Schwerpunkt ihres Vorkommens liegt an der Würm, vor allem in den Gemeinden Starnberg und Gauting. Weitere Brutpaare wurden unter anderem am Lüßbach, am Aubach, am Kienbach und am Maisinger Bach nachgewiesen.
Gerade der Fund am Maisinger Bach stellt für uns einen besonders schönen Bezug zum Fünfseenland und damit zu den Wurzeln von Starnberger Spiele her. Wenn du selbst einmal nach der Wasseramsel Ausschau halten möchtest, hast du an der Würm die besten Chancen.
Wenn natürliche Brutplätze fehlen
Dass Wasseramseln in unserer Region vorkommen, ist allerdings keine Selbstverständlichkeit. Ihre kugelförmigen Nester bauen sie normalerweise direkt über dem Wasser, etwa in Felsspalten, zwischen Wurzeln oder im Alpenvorland gerne auch in Nischen an Brücken, Mauern und Stauwehren.
Nach Sanierungen oder bei neuen Betonbrücken fehlen solche Nischen jedoch häufig. Deshalb wurden entlang der Würm und weiterer Bäche im Landkreis spezielle Nistkästen angebracht. Die Vögel werden beobachtet und mit kleinen Ringen am Bein markiert, damit man sie später wiedererkennt. Außerdem wird ihr Bruterfolg dokumentiert. Die Ergebnisse veröffentlicht die LBV-Kreisgruppe Starnberg, die sich im ganzen Landkreis für die Vogelwelt engagiert und unter anderem seit vielen Jahren die Wasservögel am Starnberger See zählt.
Vielleicht ist es genau diese Mischung, die uns an der Wasseramsel so gut gefällt: ein außergewöhnlicher Vogel, der unter Wasser auf Nahrungssuche geht, und der gleichzeitig direkt in der Region zu Hause ist, aus der unser Verlag stammt.
Deshalb bekommt die Wasseramsel in diesem Jahr unsere Stimme.
Unsere Lieblinge unter den Vögeln des Jahres
Im Laufe der Jahrzehnte wurden ganz unterschiedliche Arten zum Vogel des Jahres gekürt, vom kleinen Singvogel bis zum imposanten Greifvogel. Manche sogar mehrfach, wie jetzt vielleicht der Kranich oder die Mehlschwalbe.
Viele frühere Jahresvögel kennen wir bei Starnberger Spiele besonders gut: 36 von ihnen aus den Jahren 1985 bis 2026 haben wir für unser Memospiel „Vogelwild – Vögel des Jahres" ausgewählt.
Motive aus dem Memospiel "Vogelwild"
Zu unseren liebsten Motiven gehören der Eisvogel mit seinem leuchtend blau-orangen Gefieder, der charakteristische Kiebitz mit seiner auffälligen Federhaube und der imposante Uhu. Aber auch das vertraute Rotkehlchen oder der unverwechselbare Wiedehopf zeigen, wie vielfältig unsere heimische Vogelwelt ist.
Gerade nebeneinander betrachtet wird deutlich, was die Wahl seit Jahrzehnten so spannend macht: Mal rückt eine Art ins Rampenlicht, die fast jeder kennt, mal eine, deren Lebensweise viele von uns erst noch entdecken können.
Wer wird Vogel des Jahres 2027?
Ob Kolkrabe, Kranich, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper oder Wasseramsel: Jeder der fünf Kandidaten lenkt den Blick auf eine andere Facette unserer Vogelwelt und auf die Lebensräume, die diese Tiere brauchen.
Noch bis zum 15. Oktober 2026 um 11 Uhr kannst du unter vogeldesjahres.de abstimmen. Danach steht fest, wer das Rebhuhn ablöst und Vogel des Jahres 2027 wird.
